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Forschungsinteressen - Dr. Ludger Wirooks

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Infolge ihrer hohen Artenzahl und weiten Verbreitung sind die Schmetterlinge als Umweltindikatoren prinzipiell hervorragend geeignet, finden allerdings aus verschiedenen Gründen bei naturschutzfachlichen Gutachten dennoch zu wenig Beachtung. Im Zuge der strengeren Naturschutz-Richtlinien (z. B. FFH-Richtlinie der EU, Bundesartenschutzverordnung) stehen immer wieder einzelne besonders streng geschützte Tiere im Mittelpunkt der Diskussion (man denke nur an den Hamster und das jahrelange Hickhack um das Aachener Gewerbegebiet Avantis!). Manche unter besonderen Schutz gestellte Arten wie z. B. der Hamster, aber auch gewisse Vögel, können heutzutage leicht millionenschwere Bauprojekte kippen – doch wie sieht es mit den vielen dem Laien unbekannten Insektenarten aus – sind sie nicht ebenso schützenswert? Hier wären u. a. die Nachtfalter zu nennen, die infolge ihrer vorwiegend nächtlichen Lebensweise weitaus weniger bekannt sind als die allseits bekannten und recht beliebten Tagfalter – und das, obwohl sie sich bei genauererBetrachtung als ebenso faszinierend erweisen können! Aber warum finden sie dennoch so selten Berücksichtigung bei naturschutzfachlichen Bewertungen? Sicherlich hat das damit zu tun, dass die Vögel seit jeher unter den Naturschützern die größte Lobby hatten und die „Schmetterlingssammler" von diesen doch eher als die „Bösen Buben" betrachtet wurden. Es gibt neben solchen doch mehr politischen Gründen allerdings auch noch andere Ursachen für die seltene Berücksichtigung von Nachtfaltern im angewandten Naturschutz  –  nämlich das mangelhafte Grundlagenwissen über ihre Ökologie. Um diesem Missstand abzuhelfen habe ich mich seit vielen Jahren auf vielerlei Ebenen mit der Erforschung der Nachtfalter befasst und zwar mit den folgenden Forschungsschwerpunkten:
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Angewandte Lichtfangforschung
Die übliche Methode zur Erfassung von Nachtfaltern ist der Lichtfang, mittels dessen sich zwar innerhalb kurzer Zeit viele Arten nachweisen lassen, der allerdings auch einige methodische Probleme aufwirft. Es handelt sich dabei nämlich um eine sogenannten Anlockmethode, die es nicht erlaubt, die gefangenen Tiere unmittelbar einem konkreten Biotop zuzuordnen. Hinzu kommt, dass die Falter ohnehin nicht unbedingt dieselben Biotope besiedeln müssen wie ihre Raupen. Dies ist bei naturschutzfachlichen Bewertungen und Gutachten natürlich problematisch, wenn es darum geht herauszufinden,  wo eine besonders zu schützende Art als Falter und Raupe konkret ihren Lebensraumschwerpunkt hat. Eigene Forschungsergebnisse haben aber immerhin zeigen können, dass eine Zuordnung der Falter zu Biotopen mittels Lichtfangdaten dennoch grundsätzlich möglich ist. So konnte durch den Vergleich der räumlichen Verteilung von Faltern und Raupen u. a. aufgezeigt werden, dass sich die Falter der meisten Arten doch überwiegend in der Nähe ihrer Larvalhabitate aufhalten.Ein großes Manko der gängigen Lichtfangpraxis liegt auch darin, dass es keine methodischen Standards für seine praktische Anwendung gibt – nahezu jeder Wissenschaftler und Naturschützer benutzt z. B. einen anderen Fallentyp, was die ohnehin schwierige Vergleichbarkeit der Daten noch unnötig erschwert. Im Hinblick auf eine größere Aussagekraft dieser Methode bei naturschutzfachlichen Fragestellungen bedarf es deshalb v. a. einer Standardisierung der Datenerhebung selbst, aber auch der Darstellung und Auswertung der Erfassungsdaten. Nur unter der Voraussetzung einer wenigstens in Ansätzen standardisierten Fangmethode könnten die Nachtfalter bei der naturschutzrelevanten Raumplanung einen allgemein anerkannten Stellenwert erreichen und die Methode des Lichtfangs über die reine Faunistik hinaus wieder eine größere Bedeutung in der Ökologie gewinnen.
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Literatur zum Thema:
Wirooks, L. (2005): Die ökologische Aussagekraft des Lichtfangs - Eine Studie zur Habitatbindung und kleinräumigen Verteilung von Nachtfaltern und ihren Raupen (Verlag Wolf & Kreuels, Havixbeck)

 

 


Autökologische Grundlagenforschung zur Habitatbindung von Schmetterlingsraupen

Will man die Schmetterlinge wirklich schützen, muss man sich v. a. damit befassen, wo genau sich die Raupen der Falter entwickeln – das ist nämlich in vielen Fällen noch weitgehend unbekannt. Vielfach beschränkt man sich bei Forschungsarbeiten auf die Erfassung der erwachsenen Falter, was zweifellos auch nicht uninteressant sein mag, für den praktischen Naturschutz aber leider nur von sekundärer Bedeutung ist.  Eigene Forschungen haben aufgezeigt, dass das Futterpflanzen- und Habitatspektrum vieler Arten im Raupenstadium vielfach enger ist als allseits angenommen. So wird z. B. oft der Fehler begangen, dass man die Larvalnachweise verschiedener Generationen einer Art einfach nur summarisch betrachtet, wodurch dann eine u. U. in Abhängigkeit der betrachteten Generation unterschiedliche und durchaus enge ökologische Einnischung dem Betrachter verborgen bliebe. Selbst die Verteilung der Raupenfunde einer spezifischen Generation kann in Abhängigkeit vom Erfassungszeitpunkt variieren und z. B. vor und nach der Überwinterung durchaus verschieden sein (s. Karte)! In vielen Fällen kann erst eine detaillierte autökologische Analyse aller Daten einen hinreichend genauen Überblick über die im Larvalstadium bestehenden spezifischen ökologischen Ansprüche liefern – und ohne solche detaillierten Erkenntnisse ist ein wirksamer Schutz der bedrohten Nachtfalterarten wohl kaum durchzuführen!
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Determination von Schmetterlingsraupen
Ein großes Problem bei der Erforschung der Biotopbindung von Schmetterlingsraupen sowie bei deren Kartierung im Rahmen von Landschaftsbewertungen ist die Tatsache, dass die Entwicklungsstadien vielfach nur sehr schwer zu bestimmen sind. Es gibt zwar eine Vielzahl von Bestimmungsbüchern zu den Imagines der Tag- und Nachtfalter, aber leider nur sehr wenige brauchbare Bestimmungsbücher zu ihren Raupen. Ein Werk wie z. B. das von Porter (The Colour Identification Guide to Caterpillars of the British Isles) gibt es in Deutschland bisher nicht! Es gibt zwar durchaus einige Fachleute, die sich mit Zucht und Fotografie von Schmetterlingsraupen befassen und auf diesem Wege Fachwissen zu Determinationsmerkmalen ansammeln, aber es fehlt (noch) an Möglichkeiten dieses Wissen für den „Anwender" publik zu machen. Eine neue Möglichkeit dieses Wissen verfügbar zu machen und den wissenschaftlichen Austausch der wenigen Fachleute auf diesem Gebiet zu fördern stellt ein Projekt von science4you dar, das eine internetbasierte Datenbank mit einem Internet-Artenlexikon kombiniert. Nichtsdestotrotz bleibt aber zu wünschen, dass es eines Tages auch ein Buch „Die Schmetterlingsraupen Deutschlands" gibt.